Samstag, 15. April 2006

Osterprozession in Cartagena


Ku-Klux-Klan meets Fastnachts-Umzug...
Zu meinem Erstaunen musste ich feststellen, daß die Teilnehmer der täglichen Osterprozessionen während der "Semana Santa", also der Osterwoche, verblüffende Ähnlichkeit haben mit den Kostümen, die man aus Geschichten um den Ku-Klux-Klan kennt. Etwas befremdlich...
Umrahmt wird das Spektakel von einer Art fröhlichem Volksfest, bei dem wie so häufig auch das leibliche Wohl nicht zu kurz kommt - und die Beschäftigung der Müllmänner: in Form der zahllosen Chipstüten, Schalen von Sonnenblumen, Bonbonpapieren, etc. die nacher die Straßen säumen.
Insgesamt dennoch ein schönes und bewegendes Schauspiel.

Mehr Bilder findet Ihr unter dem entsprechenden Link.

Sonntag, 9. April 2006

Sonntag, 2. April 2006

Die Jungen saufen, die Alten laufen


Nachdem das Kulturprogramm in letzter Zeit ein wenig kurz gekommen ist, hab ich mir gedacht daß so ein kleines Läufchen durch Madrid bestimmt eine gute Gelegenheit ist, um sich auf einen Schlag mal alles schnell anzusehen, was diese Stadt so sehenswert machtNeueste Errungenschaft der spanischen Jugend: sogenannte “Botellons”. Nette Umschreibung für ein verbotene Treffen von zumeist Minderjährigen auf öffentlichen Plätzen mit anschließendem Kollektivbesäufnis und dem Ergebnis völlig verschmutzter Anlagen. Zumindest für Letzteres sollte man ja eigentlich Verständnis haben: Wer ist denn schon in der Lage noch etwas aufzuräumen, wenn der Alkoholpegel jenseits von Gute und Böse schwankt und die halluzigene Wirkung dazu führt, daß man entweder jeder leere Flasche zweimal oder eben gar nicht mehhr sieht. Die spanische Regierung in jedem Fall findet alles nicht lustig, worauf es in den letzten Wochen in Madrid und Barcelona wiederholt zu Ausschreitungen der Jugendlichen mit der Polizei gekommen ist, welche die Plätze räumen sollte (nicht der alkoholisierten Jugendlichen wegen, sondern wegen der Ordnung und Sauberkeit am darauf folgenden Tag)

Hab mir also gedacht: Prima, Party, also nichts wie hin nach Barcelona. Als ich ankam musste ich allerdings feststellen, daß zumindest für dieses Wochenende die jugendlichen Gruppen entweder keine Lust auf Alkohol oder auf Gummiknüppel hatten. Zumindest von jedem kollektiven Massenbesäufnis Fehlanzeige.
Hab mich dann zum Ausgleich einfach nach anderen Aktivitäten umgesehen – in meiner Altergruppe – und mich brav mit tausend anderen am Sonntagmorgen an die Startlinie zum Marathon gestellt. Eindeutig das kulturelle Highlight dieses Monats. Schließlich hab ich in weniger als dreieinhalb Stunden alle Sehenswürdigkeiten der Stadt im Schnelldurchlauf besichtigt. Und mich mit Svenja getroffen – das absolute Beziehungs-Highlight des Monats – die nach 6 Monaten Miami, vor dem Weiterflug nach San Francisco, mir einen kleinen Besuch abgestattet hat.
Wir haben ein wunderschönes Wochenende. Am besten hat uns das Museumsviertel unweit der olympischen Anlagen gefallen, wo es eine richtige kleine Stadt zu bestaunen gab, die sich aus Häusern aller Regionen Spaniens zwischen dem 10. und 17. Jahrhundert zu besichtigen gab. In einem verwunschen Hinterhof haben wir bei herrlichem Sonnenschein kulinarische Köstlichkeiten und die Sonne genossen.

PowerPoint-Warfare

Wir haben die zweite große zweiwöchige Planungsübung, eine Angriffsübung (ja, ja die NATO Staaten planen tatsächlich auch so was und nicht nur Humanitäre Hilfeleistungen) endlich hinter uns gebracht: 14 Tagen nicht schlaflose, aber zumindest extrem schlafverkürzte Nächte haben ihre Spuren hinterlassen und ich bin froh endlich mal wieder ausschlafen zu lassen.

Die wichtigste Erfahrung die ich dabei gesammelt habe: PowerPoint tötet nicht nur den Gegner, sondern auch Dich selbst. Mag der Kampf gegen Kompanien, Bataillone, ganze Regimter, samt ihrer Artillerie und anderer Einheiten noch so aussichtslos erscheinen, die Konfrontation mit "PowerPoint-Warfare" zur Präsentation aller erarbeiteten Planungsprozesse ist eindeutig härter ;-) Da hilft auch nicht eine gewisse Vertrautheit mit dem Programm, Kenntnis des Geländes und der taktischen Zeichen, wenn man das Ganze nicht perfekt in einer Folie einzubetten vermag.
Der eigentliche Kampf in Power Point präsentiert sich nämlich wie folgt:
1. Importieren einer Karte
2. Die farbliche Kontrastierung des Geländes mit der Farbsteuerung vornehmen (wußte gar nicht, daß Berge auf dem Gipfel rot sind – hab ja auch noch nicht viel von oben gesehen)
3. Nachzeichnen der Straßen und Flüsse mit magisch geschwungenen Linien, die man tausendmal wieder löscht, weil sie dann nicht deckungsgleich sind
4. Einzeichnen von Linien zum Abgrenzen der Territorien der verschiedenen Einheiten. Ein besonderer Spaß in Anbetracht des Maßstabes der Originalkarte 1:50.000 und dem winzige Fetzen Karte in Power Point
5. Schließlich die Symbole für Einheiten einfügen. Die winzigen Gruppierungen auflösen, auseinanderbasteln, neu zusammensetzen, neu gruppieren
6. und das ganze in die nächste Folie importieren
7. feststellen, daß man das Gesamtbild nicht gruppiert hat, sich alles verschoben hat,
8. Zurückgehen
9. Feststellen, daß man aus Versehen etwas gelöscht hat
10. Vergeblich darüber nachdenken, was man vergessen hat
11. Neue Präsentation öffnen
12. Von vorne anfangen

Ich lieber mittlerweile Folienstifte und große Karten. Und freu mich schon auf den ersten Vorgesetzten in meinem Kompaniegefechtsstand der mir einen Beamer für den “Lagevortrag zur Unterrichtung” mitbringt, anstatt Munition für meine Männer ;-))

Dennoch eine echte Bereicherung, werden doch hier wirklich alle Aspekte einer großen Einheit abgedeckt, was wir in der Marinesicherung so ja zumindest nicht kennen (Artillerie und Logistik für eine ganze Brigade, Forward Air Controller, Spezialeinheiten, Pioniere, inklusiver alle Kommunikations- und Fernmeldemittel - auch PCs!, eine bemerkenswerte Feindanalyse, etc.).

(und dies alles während der dünne Faden des Damokles-Schwerts des Abgabetermins für unsere Seminararbeit der historischen Schlacht immer dünner wurde.
Hätte wohl meine Spanischlehrerin genauso wenig für möglich gehalten, daß mir gerade Letzteres gelingen würde, nach den katastrophalen Aufsätzen, die ich seinerzeit abgeliefert habe. Mein Deutschlehrer war ja auch nie der Meinung, daß ich in der Lage wäre mehr als zwei zusammenhängende Sätze fehlerfrei zu konstruieren.)

Insofern wird erstmal Halbzeit gefeiert!

Der moderne Don Quijote

Während ich mich hier darüber freue seit langem endlich mal die Möglichkeit zu haben, jeden Tag mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren zu können und das bei mittlerweile fast schon sommerlichem Wetter, ist es des Spaniers größte Sorge zu Fuß gehen zu müssen.
Warum sollte man sich auch dazu veranlasst fühlen. Schließlich haben es die “Heldengestalten” des wohl bekannten spanischen Klassikers von Miguel de Cervantes genau so vorgemacht. Heutzutage hat man zwar die Pferdestärken erhöht, doch das Bild ist das gleiche. Um die Fortsetzung der Geschichte zu unterstreichen, ist es daher auch außerordentlich beliebt am Heck des Fahrzeuges einen Aufkleber zu haben mit eben diesen beiden geschichtlichen Figuren.
Dabei scheint es auch allen völlig egal, ob sie sich, allem Komfort zum Trotz, ähnlich ihren beiden historischen Vorbildern beim Kampf gegen die imaginären Ungeheuer, fast jeden Tag aufs Neues lächerlich machen, indem sie für kürzeste Strecken unverhältnismäßig lange Zeit im Auto verbringen. Traurig, traurig...

Was mich in der Hinsicht jeden Tag aufs Neue erheitert, sind die besorgten Fragen meiner Kameraden und anderer Personen, ob ich beispielsweise Mitglied bei Greenpeace sei, kein Geld für Benzin habe oder andere Leiden und Unzulänglichkeiten aushalten müsste.

Weniger erbaulich sind indes die ständigen Machtkämpfe beim Überqueren eines Fußgängerüberweges mit dem Fahrrad, da hier wohl folgende Regel gilt: Folgt dem Fußgängerüberweg eine Ampel, muss der Autofahrer eine wartende Person passieren lassen; gibt es keine Ampel hat der Autofahrer Vorrang.
Man sieht: Nicht nur die Deutschen haben schwachsinnige Verkehrsregelungen.

Retro-Look

“Retro ist in” - nach wie vor - durfte ich vor kurzem in einer Zeitung lesen. Und das stimmt. Zwar sind die T-Shirts mit “Bärenmarke”, “Persil” oder irgendwelchen anderen (lächerlichen) Aufdrucken mittlerweile verschwunden, doch Design und Farben von Kleidung und anderen Sachen erinnern auch in diesem Frühjahr wieder an die Photoalben unserer Eltern.
Auch in Spanien, modebewußt wie man nun mal ist, will man sich da nicht lumpen lassen. Was die Bekleidung betrifft so gibt man sich hier alle Mühe dem Mailänder Chic zum Trotz, einen völlig eigenen Stil zu kreieren. Zwar haben noch nicht alle den Trend erkannt, doch hier in Cartagena, wo man dank der ausgesprochen guten Beschäftigungslage viel Zeit hat sich neben den neuesten Handymodellen mit derartigen Fragen auseinander zu setzen, hat sich die neueste Retro-Mode schon gut etabliert: Der neue Ausgeh-Schick besteht aus einer Art Mischung zwischen Schlafanzug und Jogginganzug, vornehmlich aus Baumwolle mit einem gewissen Stretchanteil. Körperbetont ist ja immer gut und kommt so auch den zumeist sehr üppigen Proportionen der meisten Frauen sehr gelegen. Bauch hin oder her.. der Anzug sitzt immer wie angegossen. Die Farben tun dann ihr übriges dazu. Mal Kringel-Look oder Tapetenmuster. Alles ist erlaubt.
Ob das nun gefällt müssen andere beurteilen - Gott sei Dank. Ich für meinen Teil freu mich über diese ausschweifenden Geschmacksverstimmungen, macht es mir doch wieder einmal bewußt: Weniger ist mehr – und mögen wir Deutschen in mancher Hinsicht auch spießig sein, so ist es doch auf der anderen Seite gut, daß wir eben genau so sind.
Kultur hat man eben nicht per se – auch nicht als Spanier ;-)