Wir haben die zweite große zweiwöchige Planungsübung, eine Angriffsübung (ja, ja die NATO Staaten planen tatsächlich auch so was und nicht nur Humanitäre Hilfeleistungen) endlich hinter uns gebracht: 14 Tagen nicht schlaflose, aber zumindest extrem schlafverkürzte Nächte haben ihre Spuren hinterlassen und ich bin froh endlich mal wieder ausschlafen zu lassen.
Die wichtigste Erfahrung die ich dabei gesammelt habe: PowerPoint tötet nicht nur den Gegner, sondern auch Dich selbst. Mag der Kampf gegen Kompanien, Bataillone, ganze Regimter, samt ihrer Artillerie und anderer Einheiten noch so aussichtslos erscheinen, die Konfrontation mit "PowerPoint-Warfare" zur Präsentation aller erarbeiteten Planungsprozesse ist eindeutig härter ;-) Da hilft auch nicht eine gewisse Vertrautheit mit dem Programm, Kenntnis des Geländes und der taktischen Zeichen, wenn man das Ganze nicht perfekt in einer Folie einzubetten vermag.
Der eigentliche Kampf in Power Point präsentiert sich nämlich wie folgt:
1. Importieren einer Karte
2. Die farbliche Kontrastierung des Geländes mit der Farbsteuerung vornehmen (wußte gar nicht, daß Berge auf dem Gipfel rot sind – hab ja auch noch nicht viel von oben gesehen)
3. Nachzeichnen der Straßen und Flüsse mit magisch geschwungenen Linien, die man tausendmal wieder löscht, weil sie dann nicht deckungsgleich sind
4. Einzeichnen von Linien zum Abgrenzen der Territorien der verschiedenen Einheiten. Ein besonderer Spaß in Anbetracht des Maßstabes der Originalkarte 1:50.000 und dem winzige Fetzen Karte in Power Point
5. Schließlich die Symbole für Einheiten einfügen. Die winzigen Gruppierungen auflösen, auseinanderbasteln, neu zusammensetzen, neu gruppieren
6. und das ganze in die nächste Folie importieren
7. feststellen, daß man das Gesamtbild nicht gruppiert hat, sich alles verschoben hat,
8. Zurückgehen
9. Feststellen, daß man aus Versehen etwas gelöscht hat
10. Vergeblich darüber nachdenken, was man vergessen hat
11. Neue Präsentation öffnen
12. Von vorne anfangen
Ich lieber mittlerweile Folienstifte und große Karten. Und freu mich schon auf den ersten Vorgesetzten in meinem Kompaniegefechtsstand der mir einen Beamer für den “Lagevortrag zur Unterrichtung” mitbringt, anstatt Munition für meine Männer ;-))
Dennoch eine echte Bereicherung, werden doch hier wirklich alle Aspekte einer großen Einheit abgedeckt, was wir in der Marinesicherung so ja zumindest nicht kennen (Artillerie und Logistik für eine ganze Brigade, Forward Air Controller, Spezialeinheiten, Pioniere, inklusiver alle Kommunikations- und Fernmeldemittel - auch PCs!, eine bemerkenswerte Feindanalyse, etc.).
(und dies alles während der dünne Faden des Damokles-Schwerts des Abgabetermins für unsere Seminararbeit der historischen Schlacht immer dünner wurde.
Hätte wohl meine Spanischlehrerin genauso wenig für möglich gehalten, daß mir gerade Letzteres gelingen würde, nach den katastrophalen Aufsätzen, die ich seinerzeit abgeliefert habe. Mein Deutschlehrer war ja auch nie der Meinung, daß ich in der Lage wäre mehr als zwei zusammenhängende Sätze fehlerfrei zu konstruieren.)
Insofern wird erstmal Halbzeit gefeiert!